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OpenRheinRuhr: Michael Gisbers im Gespräch

Open Source goes Ruhrpott! Letztes Wochenende fand erstmals die Messe beziehungsweise der Kongress OpenRheinRuhr statt. Wir haben uns mit einem der Veranstalter unterhalten, der kürzlich in Bottrop einen Pott voll Software aufgestellt hat.

gulli.com: Hallo Michael, erzähl uns doch bitte zu Beginn etwas über dich.

Michael Gisbers: Mein Name ist Michael Gisbers. Ich bin 38 Jahre alt und seit etwas über einem Jahr selbstständiger IT-Dienstleister, so gesehen also Existenzgründer. Ich habe mich dabei auf den Bereich Linux und Netzwerk-Technik spezialisiert. Ich bin aber nicht alleine, wir sind neun Personen, die das Event zusammen stemmen. Wir haben gemeinsam einen Verein mit Namen OpenRheinRuhr e. V. gegründet. Das ist also das Projekt einer Gruppe von engagierten Menschen, nicht nur einer einzelnen Person.

gulli.com: Was wird die OpenRheinRuhr von den Essener Linux-Tagen/come2linux unterscheiden?

Michael Gisbers: Die Veranstaltung vorletztes Jahr war etwas, was sehr stark von der Community für die Community gestaltet wurde. Es war also eigentlich eine interne Veranstaltung, zu der aber auch externe Besucher eingeladen waren. Die Messe hat deswegen inhaltlich als auch personell einen geschlossenen Eindruck vermittelt.
Wir haben uns überlegt, dass es sinnvoll wäre, sich nicht zu sehr zu beschränken. Deswegen wenden wir uns nicht an eine bestimmte Distribution, ein einzelnes Betriebssystem oder eine bestimmte Software. Wir wollen für all diejenigen die irgendwo links oder rechts mit freier Software zu tun haben, die Möglichkeit schaffen, dass sie sich nach außen hin präsentieren können. Die Präsentation soll aber nicht nur für die anderen Mitglieder der Community durchgeführt werden. Wir wenden uns auch an Endbenutzer und an Unternehmer, die freie Software als Alternative zu kommerzieller Software benutzen könnten.

gulli.com: Wie oft wird freie Software denn überhaupt in Unternehmen eingesetzt?

Michael Gisbers: Freie Software wird inzwischen recht häufig benutzt. Einerseits werden im Serverumfeld sehr viele Linux-Server eingesetzt. Private User arbeiten häufig mit dem Firefox als Browser, aber auch vermehrt mit OpenOffice.org als freie Variante des Office-Pakets von Microsoft. Dazu kommen Programme zur Konvertierung von PDFs, also FreePDF und vieles mehr. Das sind alles Anwendungen, die aus dem Bereich der freien Software stammen, und diese sind verfügbar, können heruntergeladen werden und haben keinen schlechteren Support als die kommerzielle Konkurrenz. Oft führen sie ein Schattendasein, weil die Administratoren nicht bereit sind, sich mit der Software auseinander zu setzen, diese in die Unternehmen zu integrieren beziehungseise sie zu testen. Teilweise ist das auch so weil sie die Programme schlichtweg nicht kennen. 

gulli.com: Könnte man also sagen, es liegt daran, dass Open Source Software schlechter vermarktet wird?

Michael Gisbers: Das ist sicher problematisch. Wie aber will ich das vermarkten, wenn ich eigentlich versuchen möchte, die Software ohne Geldmittel zur Verfügung zu stellen? Dann habe ich für das Marketing wenig Optionen übrig.

gulli.com: Die Vertreter der Musikwirtschaft sagen gerne, sie können nicht gegen kostenlos konkurrieren. Aber hier schaffen es kostenfreie Programme zumindest ganz zaghaft zu konkurrieren, oder?

Michael Gisbers: Ganz zaghaft würde ich nicht mehr unbedingt sagen, gerade bei den Top-Produkten kann man so davon nicht mehr sprechen. Mittlerweile gibt es nur noch wenige Firmen, die überhaupt keine freie Software mehr einsetzen. Diese Produkte sind in aller Munde. Jeder spricht davon, jeder kann zumindest ein wenig damit umgehen. Die Administratoren kennen die Top-Produkte. Aber bei vielen anderen Programmen ist der Bekanntheitsgrad nicht so groß. Bei der Musikindustrie kennt man die Interpreten, weil die Labels z. B. Werbung mit den Musikvideos machen. Dann weiß man, wonach man suchen muss und findet es dann auch. Wenn ich auf meinem Computer etwas anwende, spreche ich nicht unbedingt darüber, außer es ist etwas ganz Außergewöhnliches, was ich meinen Freunden zeigen möchte. Software ist immer ein lokales Produkt, was nur bei mir zu Hause oder auf den Firmenservern beheimatet ist. Die Vermarktung von Musik funktioniert also völlig anders.

gulli.com: Ihr erwartet bis zu 1000 Besucher, ist das realistisch?

Michael Gisbers: (zögert) Mhhh.. ja, wir haben einen großen Ballungsraum mit vielen Menschen und einer gut ausgebauten Infrastruktur für IT. Die zahlreichen Unternehmen benutzen Software und viele davon sind auch bereit für etwas Neues. Wir haben uns mit Wirtschaftsförderern und den Industrie und Handelskammern verschiedener Städte auseinandergesetzt und haben festgestellt, dass es Bedarf an einer solchen Veranstaltung gibt. Man hilft uns beim Kontaktaufbau zu den Firmen. Ansonsten würden die meisten Entscheidungsträger nichts von unserem Event mitbekommen.

gulli.com: Was erwartet uns denn jetzt ganz konkret am Wochenende?

Michael Gisbers: Wir werden Vorträge anbieten, wo Softwareprojekte von ihren Machern vorgestellt werden. Auch die Nutzung innerhalb eines Betriebes wird dabei eine große Rolle spielen. Zum anderen geht es um Lizenzen, rechtliche Abgrenzungen und vieles mehr. Unternehmer und Privatanwender können dort lernen, wie viel einfacher und sicherer sie mit freier Software arbeiten können. Auch die Abgrenzungen zur kommerziellen Software werden erklärt, um nicht in den Graubereich abrutschen zu können. Daneben haben wir die Ausstellung. Dort präsentieren sich neben Projekten aus der Community auch lokale Firmen, die mit freier Software arbeiten und zeigen, wie sie diese in ihre Unternehmensabläufe integrieren.

gulli.com: Konkret geht es um eine Verzahnung zwischen quelloffener Software mit ... 

Michael Gisbers: ... der Wirtschaft und dem Endanwender. Die Endanwender sind uns genauso wichtig wie die klein und mittelständischen Unternehmen. Wir möchten dafür sorgen, dass die freie Software mehr Gehör findet, mehr aus dem (kleinen) Kessel heraus kommt. 

gulli.com: Michael, vielen Dank für das Gespräch!

Lars Sobiraj am Donnerstag, 05.11.2009 22:57 Uhr

tagsTags: openrheinruhr

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1 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • Ghandy am 05.11.2009 23:04:39

    Kommt denn jemand von euch? Am Samstag werde ich dort sein! ...

  • Ghandy am 05.11.2009 22:57:19

    OpenRheinRuhr: Michael Gisbers im Gespräch Open Source goes Ruhrpott! Ab übermorgen findet erstmals die Messe beziehungsweise der Kongress OpenRheinRuhr statt. Wir haben uns mit einem der Veranstalter unterhalten, der jetzt Samstag und Sonntag in Bottrop einen Pott voll Software aufstellen will. ...

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