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Das Kabinett, ein Eisberg. Kommentar.

Deutschlands neue konservative Regierung: Eine Frau als Kanzlerin, ein schwuler Aussen-, ein im Rollstuhl sitzender Finanz- und ein im Vietnam geborener Gesundheitsminister. Ist das nicht die schöne neue Welt? Ein Kommentar.

"Eine Meritokratie", schreibt die Wikipedia, "ist eine Regierungsform, bei der die Amtsträger (Herrscher) aufgrund ihrer Leistung ausgewählt werden." Die FDP ist mit einem meritokratischen Leitsatz in den Wahlkampf gezogen: "Ihre Arbeit muss sich wieder lohnen!" Und wenn wir uns jetzt die Verteilung der Kabinettsposten ansehen, dann finden wir dieses Prinzip glasklar wieder.

Nehmen wir den neuen Minister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung Dirk Niebel als Beispiel. Niebel hat viele Jahre harte Arbeit in seine Karriere bei der FDP gesteckt. Da ist es nur gerecht, wenn er dafür auch belohnt wird. Natürlich, Niebel hat keinerlei Erfahrung auf diesem Gebiet. Er hat, um genau zu sein, auch gar kein Interesse daran. Um noch genauer zu sein, hat Niebel hat vor der Wahl sogar die Abschaffung seines jetzigen Ministeriums gefordert. Das geht selbstverständlich nun nicht mehr. Wo kämen wir denn auch hin, wenn die Arbeit von Dirk Niebel nicht mehr mit einem Pöstchen belohnt würde?

Aber man möge jetzt bitte nicht den Fokus allein auf Niebel setzen. Er ist, wie gesagt, nur ein Beispiel. Schließlich muss sich auch die Arbeit der Unions-Politiker lohnen. So darf, weil Roland Koch in Hessen so schön dank einiger SPD-Politiker die Wahl gewonnen hat, Franz Josef Jung jetzt Arbeitsminister werden.

Der Herr hat als Verteidigungsminister - die kleine Kritik muss erlaubt sein - nicht gerade gute Arbeit geleistet. Um genau zu sein, hat er sogar ziemlich schlechte Arbeit geleistet. Deutschlands Soldaten befinden sich im Auslandseinsatz, aber Krieg wollte Jung es nicht nennen; und wenn die Bundeswehr unbewaffnete Tanklaster oder ähnliches bombardieren ließ, fühlte er sich sichtlich unwohl. Überhaupt schien sich Jung in seinem Amt häufig unwohl zu fühlen. Trotzdem hat er die ganze Zeit durchgehalten und nicht wie sein früherer Kollege Glos das Handtuch geworfen. Ist das nicht eine großartige, eine heroische Leistung? Und noch dazu ist er Hesse, das ist manchmal für einen Minister schon genug.

Das Zitat aus der Wikipedia geht noch einen Satz weiter: "Jedes Mitglied der Gesellschaft nimmt im Idealfall die verdiente Position ein." Und plötzlich verdampfen die Verdienste von Niebel und Jung. Was haben diese Männer für die Gesellschaft getan? Nichts. Belohnt werden sie für ihre Arbeit innerhalb der Partei. Jahrelang haben sich diese Menschen in einem abgeschlossenen System abgestrampelt, ohne etwas von Nutzen für die Gesellschaft zu tun, wie Hamster in einem Hamsterrad. Und plötzlich herrschen sie über das ganze Land.

Da verwundert es auch kaum, dass der Begriff "Meritokratie" eigentlich einer Dystopie entstammt. Michael Young beschreibt in seiner Satire "Es lebe die Ungleichheit" eine elitäre Gesellschaft, deren Führer sich über der breiten Masse stehend sehen. Und nichts anderes erleben wir ja heute. "Die da oben", die Politiker, klüngeln Posten und Pöstchen unter sich aus und der Bürger schaut zu und denkt sich was dabei oder auch nicht. Sieht einen schwulen Außenminister und fragt sich, wie das bei den Arabern wohl ankommt, obwohl ein Drittel der Deutschen selbst homophobe Einstellungen hat.

Die Zusammensetzung des Kabinetts hat mit der Gesellschaft nichts zu tun. Es ist die Spitze eines Eisbergs namens Parteisystem und aus dem Wasser schauen die, die den stärksten Willen zur Macht gezeigt haben. Machen wir uns keine Sorgen: Die Linkspartei wird auch bei der nächsten Wahl wieder gleichen Lohn für Frauen fordern können und Günter Wallraff wird nicht arbeitslos. (Simon Columbus)

Lars Sobiraj am Samstag, 24.10.2009 20:32 Uhr

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33 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • HAL9001 am 26.10.2009 21:51:51

    Aber hauptsache immer Dinge beurteilen, von denen man keine, aber wirklich keine Ahnung hat anderen dieses vorwerfen und dann selber so einen post verfassen?!? :T ...

  • sad_max am 26.10.2009 17:09:47

    In etwas so wie ein Gravenreuth an einem Eisenberg? :D Jaja, der schöne Eisberg namens TAZ :D ...

  • Rapaxity am 26.10.2009 12:33:56

    einer der schlechtesten Kommentare, die ich je gelesen habe. Spätestens nach der Sache mit der Bundeswehr hab ich das Lesen aufgehört. Ich hätte diejenigen gern sehen wollen, wenn sie in solch eine Lage versetzt gewesen wären. Wenn ein paar Kilometer weit weg eine horde hirnloser Taliban 2 Tankl ...

  • WildMax am 25.10.2009 21:45:51

    Was tuts, wenn die Oposition daran dann Titanic spielt. :D In etwas so wie ein Gravenreuth an einem Eisenberg? :D ...

  • jimmycarter am 25.10.2009 20:16:13

    ... allerdings ist dieses Postengeschachere, ohne Blick auf echte Kompetenzen, nach jeder Wahl usus... Nicht ganz so richtig, denn 1. : Das Renomee innerhalb einer Partei / eines Fachgebietes erwirbt man sich durch Kompetenz und 2. : sollte man am Ende seinem Fa ...

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