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Isle of Man: Legales Musik-Filesharing greifbar?

Bereits seit einiger Zeit geistern Flatrate-Modelle für Filesharing durchs Netz. Auf der Isle of Man steht ein aktiver Feldversuch nun kurz bevor.

Die Musikindustrie leidet unter den Qualen, die beim Filesharing von urheberrechtlich geschützten Musikwerken auftreten. Millionenverluste durch sinkende Käufe, die - nach deren Ansicht - eins zu eins auf illegale Downloads umgerechnet werden können und müssen.

Man ist in einer schier katastrophalen Lage, denn Filesharing steckt nicht mehr in den Kinderschuhen. Es ist etabliert und wird von vielen genutzt - für legale wie illegale Handlungen. Dass man sich in dieser Situation wiederfindet, ist nach Ansicht von Hillary Rosen sowie Geoff Taylor selbstverschuldet. Schön, wenn von zwei Vertretern der Branche diese Erkenntnis offen verkündet wird. Als ehemaliger Chief Executive Officer der Recording Industry Association of America (RIAA) sowie als Vorsitzender der British Phonographic Industry sollten die beiden eigentlich einen gewissen Einfluss auf ihre Mitstreiter haben, möchte man glauben. Ob dem letztendlich so ist, wird man erst erfahren, wenn Filesharing bereits den nächsten Evolutions-Sprung angetreten hat. Wie Rosen bereits festhielt, war man damals nicht bereit etwas zu riskieren, weshalb die Napster-Ära anbrach - ohne die Musikindustrie. Man hatte Angst, wollte kein Risiko eingehen, es sprach nichts dafür, den Filesharing-Dienst zu unterstützen. Verklagen schien die bessere und letztendlich genutzte Alternative, in der Hoffnung, ein seit Jahrzehnten etabliertes Geschäftsmodell am Leben zu erhalten. Weitere zehn Jahre sind vergangen und diesmal steht die Musikindustrie erneut an einem Scheideweg.

Auf der einen Seite steht die bislang immer gewählte Option. Nur wenige Millimeter vom Geschäftsmodell abweichen, Alternativen nur mit massiven Restriktionen, Änderungen nur im Trippelschritt - was nicht passt, wird juristisch passend gemacht. Die sichere Methode also, ohne jedwede Risiken. Auf der anderen Seite steht der riskante Weg, der die Situation noch schlimmer machen könnte, aber auch massiv verbessern. Alles auf eine Karte setzen oder erneut warten?

Das Filesharing von urheberrechtlich geschützten Werken nimmt immer drastischer zu, trotz stärkerer Sanktionen. Das internetaffine Volk ist den Piratenjägern oft, wenngleich nicht immer, einen Schritt voraus. Jetzt bietet sich jedoch präsenter als je zuvor die Möglichkeit, dem Teufelskreislauf - vielleicht - zu entfliehen. Die Kulturflatrate wurde lange ausgelacht, bis sich Virgin und Universal vor kurzem geeinigt haben. Der Deal ist keinesfalls optimal, das erwartet wohl auch niemand. Doch er zeigt, dass es durchaus möglich ist. Die Frage ist nur, ob die Musikindustrie (respektive die gesamte Contentindustrie) bereit ist, auf eine Karte zu setzen. Wobei auch dies nicht ganz stimmt, denn wenn das Projekt nach wenigen Wochen scheitert, kann man sich immer noch zurückziehen und hätte neue Argumente.

Ein Feldversuch auf der Isle of Man soll offenbaren, wohin der Weg führen könnte. Schon in wenigen Monaten soll alles laufen. Die Betonung liegt auf "soll" - denn bislang läuft nur eines: Die Verhandlungen mit den Plattenfirmen.

Die "Kulturflatrate" wird nämlich vorerst nur eine "Musikflatrate" werden. Daran ist bislang auch nichts auszusetzen. Die Musikindustrie ist jedoch dafür bekannt, sich nur schwerlich vorwärts zu bewegen. Es gibt einige Details, die den Verhandlungspartner falsch erscheinen. Angefangen bei der Vorstellung, dass Filesharing plötzlich legal sein könnte, über einen grenzenlosen Vertrieb, zu kopierschutzfreien Musikstücken und vieles mehr. Auch sehen kritische Stimmen darin ein sozialistisches Schema für die Musikindustrie. Jeder bekommt alles - zumindest wenn es um Musik geht. Die Anhänger solcher Ideen freuen sich indes und warten gespannt auf die Ergebnisse der Verhandlungen. Es scheint also ganz so, als sei sich noch keine der beiden Seiten darüber im Klaren, wohin dies alles eigentlich führen könnte. "Das ist keine Legalisierung des Illegalen", erklärt Ron Berry, welcher als E-Commerce-Berater für das "Musikflatrate" Projekt auf der Isle of Man verantwortlich ist. Man wolle The Pirate Bay nicht legalisieren, sondern den bisher präsenten Tauschbörsen mit einem legalen und lizenzierten Tauschangebot Konkurrenz machen. "Warum würde jemand illegale Angebote nutzen, wenn es ein sehr günstiges legales Modell gibt?", lautet Berrys kritische Frage.

Wie genau die Flatrate letztendlich aussehen soll ist - nicht zuletzt aufgrund der andauernden Verhandlungen - weiter im Dunkeln. Ron Berry erklärte jedoch bereits im Januar, dass die Testphase nicht mehr als einen Euro pro Anschluss verlangen würde. Darüber hinaus ist inzwischen klar, dass eine eigene Tauschbörse für dieses Projekt entwickelt werden soll, auf welcher die User nicht nur die Musikstücke, die sich bereits in ihrem Besitz befinden, tauschen können, sondern auch auf den Musikkatalog der Labels zugreifen können.

Wer willens, ist einen zusätzlichen Obulus zu leisten, kann optimierte Werke kaufen, die beispielsweise speziell für Home-Theater-Systeme angepasst wurden. Nicht umsonst zieht Berry hier den Vergleich mit einem Einkaufszentrum, in welchem es viele kostenlose Proben gibt. Wer mehr will, muss bezahlen. Ob die Majorlabels bereit sind, ins kalte Wasser zu springen und das Risiko zu wagen, kann nicht pauschal beantwortet werden. Klar ist, dass ein Umdenken langsam aber sicher stattfindet, doch es geht nur zögerlich voran, was auch Berry bemängelt. "Die Plattenfirmen reagierten [auf das digitale Zeitalter] jedoch wie Dinosaurier. Sie nutzen die Möglichkeiten der digitalen Welt nicht", so Berry. Zum Stand der Verhandlungen konnte er lediglich mitteilen, dass sich die großen Plattenfirmen langsam ändern und für Begriffe und Ideen wie die Musikflatrate offener werden. Mit etwas Glück kann in wenigen Wochen die Isle of Man verkünden, dass dort legales Filesharing von urheberrechtlich geschützter Musik praktiziert wird. Wir drücken die Daumen! (Firebird77)

(via futurezone, thx!)

(Bilder via epic edits, Grietjes Webseite & shlomp-a-plompa @flick.com, merci!)

News Redaktion am Sonntag, 28.06.2009 16:29 Uhr

tagsTags: filesharing musikflatrate legal test kulturflatrate experiment feldversuch greifbar isle of man ron berry

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38 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • Tobsucht666 am 30.06.2009 20:45:49

    weil rs sonst nen abgang macht und du wieder bei edonkey mit 3,2kbyte/sec saugen musst. Aber warum sollte ich mich um einen File-Hoster scheren? Und woher, frage ich euch, kommt dieses abgrundtiefe Vertrauen zu jenem? Irgendwann muss er nachgeben und rückt IPs von Up- und Downloadern ...

  • alter_Bekannter am 30.06.2009 14:03:41

    Ebay und Preis vorschlagen, nicht signiert, aber immerhin weit unterm Ladenpreis und eingeschweißte Originale, eine 7€ und die andere 9€ in dem Rahmen, hab mit Versand(5€) 21€ bezahlt, 2 CD's und eine DVD ...

  • Metal_Warrior am 30.06.2009 08:35:26

    Dabei sind 8€ für 16 hochwertige Tracks auf einer CD mit signirtem Cover doch wohl nicht zu viel verlangt. Gib mir mal nen Namen (soferns auf meine Musikrichtung zutrifft). 8 Euro hab ich zuletzt bezahlt... da kann ich mich schon gar nicht mehr dran erinnern... ...

  • flo8464 am 30.06.2009 01:07:09

    da liegt der irrtum. niemand will, dass die künstler nichts verdienen. es kann bloss nicht sein, dass die plattenfirmen millionen verdienen. der künstler bekommt für die verkauften tonträger so gut wie nix. wären jemand gegen die künstler, würde man die konzerte in massen stà ...

  • der_stro am 29.06.2009 19:22:53

    Achso, jetzt ist der Chartmüll, für den keiner Geld zahlen will, auf einmal Kulturgut. Immer drehen, wie man's gerade braucht. Die Wertung Müll hast du reingebracht. Ich hab auch kein Problehm damit wenn Leute Musik höhren die ich in die Tonne kloppen würde. Ausserdem geht e ...

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