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Filesharing: Filehoster verdrängen P2P

Dass P2P-Tauschbörsen längst alles andere als "sicher" sind, erfahren zahlreiche deutsche Internetuser Tag für Tag, wenn eine Abmahnung in ihrem Postkasten liegt. Auch The Pirate Bay musste - obgleich nach langem Kampf - eine herbe Niederlage hinnehmen. Eine Rückkehr des größten BitTorrent-Trackers ist unwahrscheinlich.

Wohin geht also der Trend? Filehoster? FTP-Server? Back to the roots? Für viele ist bereits jetzt klar, dass insbesondere Filehoster an erster Stelle stehen, wenn jemand aus den zahlreichen P2P-Netzen "vertrieben" wird. Deren Model ist simpel aufgebaut. Eine pauschale Gebühr, dafür mit Fullspeed herunterladen, ohne Unterbrechung. Die passenden Links für die diversen Hoster, wie Megaupload oder Rapidshare finden sich auf zahlreichen Websites.

Der Trend scheint also klar definiert zu sein, zumindest für diejenigen, die ihn bereits nutzen. Der Vizepräsident des Anti-Piraterie Softwareherstellers V.I. Labs, Vic DeMarines, hat nun einige Analysen seines Unternehmens offen gelegt. Was für die Urheber wie ein Schock klingen muss, führt bei regulären Filesharern wohl nur zu einem bestandslosen Nicken. "Es ist unglaublich einfach zu nutzen. Und was man bekommt ist im Grunde der eigene private FTP-Server", so DeMarines zur Funktionsweise diverser Filehoster. Seiten wie Rapidshare würden ihren großen Gewinn in erster Linie durch die "Powerdownloader" generieren. Die Poweruser wären nämlich auch bereit, für ihren Premiumzugang zu bezahlen, welcher schnelle Downloads ohne wirkliche Begrenzung ermöglicht. Seiner Ansicht nach würde deren Geschäftsmodell auf der Basis illegal kopierter Filme, Musik, Bücher oder Software aufsetzen. Der Bedarf ist groß, die Sharehoster genießen eine hohe Popularität. Wie intensiv das Angebot genutzt wird, zeigt eine Äußerung von Rapidshare gegenüber der New York Times in diesem Jahr. Man erklärte, dass man inzwischen 10 Petabyte hosten würden, und teilweise bis zu drei Millionen (!) Downloads gleichzeitig bewältige. "Da wird viel Geld gemacht. Ohne illegale Kopien bin ich mir nicht sicher, woher sie ihre Einnahmen bekommen würden", so DeMarines.

Starke Anschuldigungen, zu denen sich Rapidshare nicht äußern wollte.

Das Wachstum von Rapidshare ist derweil ungebrochen. Derzeit hält man bei Alexa Platz 18 der weltweit meist besuchten Webseiten. Das deutsche Unternehmen ipoque, welches insbesondere im Bereich Netzwerkanalyse bekannt ist, behauptet, dass Rapidshare inzwischen weltweit für fünf Prozent des Internettraffics verantwortlich ist. Vic DeMarines sieht jedoch keine reelle Chance, in absehbarer Zeit gegen One-Click-Hoster vorzugehen. Obwohl Filehoster wie Rapidshare bereits in Prozesse wegen Piraterie verwickelt seien, und auch verloren hätten, würde es bislang keine wirkliche Handhabe geben. Die Uploader müssten sich weder registrieren noch identifizieren. Rapidshare selbst filtere das Angebot nicht, da man der Ansicht ist, nur eine Plattform zur Verfügung zu stellen. Für den Hoster ist jedes File nur das, was es eben ist: eine Datei. Bemerkenswert ist, dass DeMarines jedoch auch lobende Worte für Rapidshare im Repertoire hat. Der Hoster falle - unter der Ansicht des Digital Millenium Copyright Acts (DMCA) - unter die Safe Harbour Klausel, man könne ihn also nicht direkt angehen. Zumindest nicht solange, wie er auf Löschaufforderungen schnell reagiert. Dies sei bisher der Fall gewesen. Dabei gilt es aber auch zu erwähnen, dass sich der Hoster hier einer Aufforderung fügt, die rechtlich schwer anwendbar wäre. Der DMCA ist schließlich ein US-amerikanisches Gesetz.

Insgesamt würden durch diese Stabilität insbesondere P2P-Tauschbörsen immer unattraktiver. Inzwischen würden Filehoster - so die Angabe von ipoque - für 15 bis 35 Prozent der "digitalen Piraterie" verantwortlich sein. Für DeMarines ein deutliches Zeichen: "P2P ist im Sturzflug. Man ist dort zu sichtbar, also gehen die Rechteinhaberverbände her und nehmen die BitTorrent-Tracker Seiten auseinander." Alle anderen Methoden seien ebenfalls stagnierend oder abnehmend. Wobei sich in diesem Kontext doch insbesondere eine Frage stellt: So viele User sind bereit, mindestens 7 Euro im Monat für Downloads zu bezahlen. Es ist also keinesfalls so, als wenn Filesharer nicht bereit wären, für den Zugang zu Werken Geld zu investieren. Auch wenn dies gerne behauptet wird. Wenn bezahlen die Anwender aber lieber dafür, dass sie ihre Dateien DRM-frei, zu einem guten Preis, extrem schnell und bequem herunterladen können.

Die Angelegenheit ist sehr komplex. Dennoch lässt sich schwerlich bestreiten: Der ach so böse "Raubkopierer", der nie und nimmer für ein Werk blechen würde, bezahlt monatlich 7 Euro und mehr für ein Angebot, dass ihm die Contentindustrie nicht bietet. Entweder weil die Unternehmen der Medienbranche nicht können oder weil sie nicht wollen. Stellen wir von diesem Zahlenspiel abgesehen eine rein hypothetische Frage. Nur so aus rein journalistischem Interesse: Was würde passieren, wenn sich alle "Content-Lieferanten" der Welt vereinigen würden, um einen eigenen Filehoster auf die Beine zu stellen? Ein Filehoster, wo alle digitalen Inhalte für eine Gebühr von X Euro verfügbar wären. Zweifelsohne gäbe es trotz dieses Anbebots viele weniger legale Alternativen. Die Umsetzung eines solchen Filehosters wäre auch mit der Überwindung zahlreicher juristischer Probleme verbunden. Trotzdem: Mit reinem Schubladen-Denken wird man die Problematik nicht bereinigen können. Auch oder gerade in der Wirtschaft wird viel Kreativität benötigt. (Firebird77)

(via computerworld, thx!)

(DatenKlo-Logo via moelle. vi.labs Grafik via vilabs, thx!)

News Redaktion am Montag, 12.10.2009 09:59 Uhr

tagsTags: filesharing p2p dmca illegale downloads megaupload safe harbour verdrängen vic demarines analyse v.i. laboratories rapidshare filehosting

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76 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • Sonnentier am 15.10.2009 00:35:11

    Hängt vom ISP ab, die meisten hatten aber nie einen oder haben es eingestellt. Wer benutzt schon noch die Newsgroups, heute wird es wohl kaum jemand einführen und schon gar nicht kostenlos mit binarys. Wohin geht also der Trend? War ja schon seit Jahren, der Übergang ist jetzt so ...

  • Shadow27374 am 14.10.2009 23:05:55

    Du brauchst schon ein Newsserver mit Binaries XLned.com z.b Mit dem T-Online Zugang kannst du nur Texte lesen und verfassen. Die Gruppen mit den Dateien sind nicht drin. Das habe ich mir schon gedacht. Allerdings war der Vorteil (nach Angaben von diversen Anleitungen die ich fa ...

  • CharlesBukowski am 14.10.2009 13:38:33

    Aufhalten kann man den Fortschritt nicht. 1CH sind zur Zeit noch mehr oder weniger sicherer, aber das wird sich in Zukunft bestimmt auch ändern wenn sie einmal richtig ins Schussfeld geraten. Meiner Meinung nach geht der Trend Richtung Darknet und Festplattenkopien. Es wird also immer unkontrollie ...

  • SkyLiner_360 am 14.10.2009 10:21:55

    Ja, XDCC ist die Macht :D Besser ist nur noch FTP. Nur kommt man halt schwierig an eine Topsite ran. Einen guten Pub FTP kenne ich leider nur für Musik. ...

  • OwenBurnett am 14.10.2009 09:59:08

    Das schlimmste an UseNexT ist das man nicht anonym anmelden kann, da gibt es ja solche anonyme Bezahlsysteme wie so ein PaySafeCard - Kupon den man mir Bargeld ersteht ohne Angabe von nahem oder sonst was. ...

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