
Rohdes Kollegen gingen davon aus, dass eine breite Berichterstattung über die Entführung die Chancen auf eine Freilassung beeinträchtigen würden. Bei den meisten Medienhäusern habe ein Anruf genügt, um Stillschweigen zu erreichen. Bei der frei editierbaren Wikipedia sei das weitaus schwieriger gewesen, berichtet die New York Times.
Zwei Tage nach der Entführung bearbeitete ein Kollege von Rohde den Wikipedia-Eintrag des Reportage-Journalisten. Er bemühte sich, die Teile von dessen Werk hervorzuheben, die Rohdes positive Einstellung gegenüber Muslimen zeigen. "Ich wusste von meiner Jihad-Berichterstattung, dass die Geiselnehmer sehr schnell online gehen und abschätzen würden, wer er war und was er getan hatte, was sein Wert für sie sein könnte", erzählt Michael Moss.
Einen Tag später fügte ein unangemeldeter Benutzer das erste Mal die Nachricht von Rohdes Entführung in den Wikipedia-Artikel ein. Moss löschte den Eintrag, doch der Benutzer kam wieder, fügte die Notiz erneut an und beschwerte sich über die Löschung. Er verwies auf den Bericht einer afghanischen Nachrichtenagentur, die als eine von wenigen Quellen über die Entführung berichtet hatte. Ein kleiner "Edit War" entspann sich, bis ein Administrator die Seite sperrte.
Etwa um diese Zeit bat die New York Times Wikipedia-Gründer Jimmy Wales um Hilfe. Weil seine eigenen Handlungen zu genau beobachtet werden, bat er einen der Administratoren um Hilfe. "Wir wollten nicht, dass es so ungewöhnlich aussah, dass es zu Spekulationen führen würde, also sperrten wir es für drei Tage, oder bis zu einem Monat lang, was ziemlich normal ist", erklärt Wales die Vorgehensweise. "Es vergingen Wochen, bis Probleme auftraten."
Doch ein Wikipedianer schien sich an dem Artikel festgebissen zu haben. Immer wieder fügte er die Meldung von Rohdes Entführung in die Seite ein, nur damit die Änderung im Handumdrehen rückgängig gemacht würde. "Wir können das monatelang machen", kommentierte er zu einem Zeitpunkt den merkwürdigen Wettstreit.
"Wir hatten keine Ahnung, wer es war", erklärt Wales, der nicht glaubt, dass der unregistrierte Benutzer einen bösen Hintergedanken verfolgte. "Es gab keine Möglichkeit ihn zu erreichen und ihm zu sagen 'Hey, halt mal ein und denk hierdrüber nach'".
Nachdem Jimmy Wales infolge von Rohdes Freilassung den Artikel entsperrt hatte, war es dieser anonyme Nutzer, der die Neuigkeit in den Artikel einfügte. Als Änderungsvermerk findet sich eine Nachricht an die Administratoren: "Sind das genug Beweise für euch Vollidioten? Ich hatte Recht, nicht ihr :P".
Wales dagegen freute sich auf Twitter über die Freilassung: "Ich bin wirklich Stolz auf die Wikipedianer, die das möglich gemacht haben, hat vielleicht sein Leben gerettet". Es gibt allerdings auch Stimmen, die das Stillschweigen der Medien im Fall Rohde kritisch sehen: "Ich glaube, wir tun uns langfristig keinen Gefallen für unsere Glaubwürdigkeit, wenn wir einen totalen Nachrichtenausfall über etwas haben, dass ganz klar für die Allgemeinheit von Interesse ist", erklärte Kelly McBride, die angehende Journalisten in Ethik unterrichtet. (Simon Columbus)
News Redaktion am Montag, 29.06.2009 18:55 Uhr
der telepolis artikel dazu war sehr schoen zu lesen: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/30/30641/1.html ...
"stillschweigen": welch euphemismus.. ...
Sondern wegen? Und wer bestimmt das? Na, die Journalisten bzw. Jimmy selber. Dabei ist Wiki angeblich eine freie Plattform ohne Zensur. Es stand ja auch schon da, aber Jimmy hat es immer wieder löschen lassen.. Jimmys Machtpostition ist schon lange sehr umstritten. ...
Informationen aus taktischen Gründen zurückzuhalten ist per se noch keine Zensur. Wenn der lokale Taubenzüchter-Verein nicht sofort meldet/bestätigt, dass seine beste Taube am kommenden Wochenende leider nicht antreten kann, ist das auch noch keine Zensur, gell? ...
Nicht wegen eines Reporters. Sondern wegen? Und wer bestimmt das? ...
Lars Sobiraj am 20.05.2012, 16:54 Uhr
Im US-amerikanischen iTunes Store wurden statt dem Begriff "Jailbreak" lediglich Sternchen zwischen dem Anfangs- und Endbuchstaben angezeigt. Davon waren letztlich alle Kategorien betroffen. So wurden neben Apps auch Klingeltöne, Podcasts, Musikstücke, ganze Alben und eBooks zensiert angezeigt. Laut den Untersuchungen von Shoutpedia waren mehrere Monate lang 95% aller Begriffe davon betroffen.
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