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Filesharing- und Bloggerstudie spaltet die Magazine

Steigen oder fallen die Zahlen?

Statistik ist etwas schönes: sie liefert, korrekt durchgeführt, aussagekräftige Daten über das untersuchte Feld. Die Interpretation dieser Zahlen bleibt den Lesern jedoch anheimgestellt, und diese fällt dann doch bisweilen recht unterschiedlich aus. "Teen Content Creaters and Consumers" titelt Pew Internet ihre neueste Studie zum Medienkonsum und Blogverhalten Jugendlicher, neutral und unverfänglich. Dass US-Teens p2p - Downloads nach wie vor lieben, interpretiert p2pnet, RedOrbit titelt hingegen klar und deutlich, eine neue Studie belege das Fallen der Filesharingnutzung bei den Jugendlichen.

Nimmt man die trockenen Zahlen, so stellt sich heraus, dass in der Tat der Anteil der Downloader bei den "abgesegneten" Quellen wie iTunes und Napster zugenommen haben soll: von 9% auf 30% der Befragten habe sich der Anteil verdreifacht. Ebenso wurde ein steigender Anteil von Ex-Downloadern gemessen, welcher schnell als Indiz dafür gewertet wurde, dass eine Wanderung in die Bezahldienste stattgefunden habe.

Betrachtet man die absoluten Zahlen, so läßt sich allenfalls konstatieren, dass die Downloads weiter gestiegen sind: zwar sank der Anteil der online Musik ladenden Jugendlichen zwischen 2000 und 2004 von 53% auf 51%, absolut gesehen nahm die Quote der Jugendlichen mit Netzzugang stark zu, was dazu führt, dass heute mehr Jugendliche Musik aus dem Netz ziehen, als dies jemals der Fall war.

Unter dem Gesichtspunkt der Anti - Filesharingpropaganda und der Einschüchterung der Kunden durch die Labels wäre es im genannten Fall jedoch durchaus fragwürdig, sich auf korrektes Antwortverhalten der befragten Jugendlichen zu verlassen: vor allem, wenn in der Zeit, wo die Filesharingquoten laut Studie hätten sinken sollen, der Tauschbörsentraffic laufend stieg. Dass die Zahlen beim Video - Sharing der Studie gemäß in allen Beziehungen anstiegen, setzt das Tüpfelchen aufs i: dort gibt es noch nicht im selben Maß die bekannten, sozial erwünschten Alternativen, die man bei Umfragen nennen kann. Indessen ist es mehr als verständlich, dass man sich immer lieber der allgemeinen Propaganda konform verhält: die Jugendlichen, indem sie erwünschte Antworten geben, wo dies möglich ist, die Studienmacher, indem sie sich freudig auf diese verlassen - schließlich beruhigt das die aufgebrachten Labels.

Insofern: Die Zahlen sind mit Vorsicht zu genießen und sollten gegebenenfalls im Kontext von Trafficanalysen im Netz betrachtet werden, um sich ein endgültiges Bild zu machen. Interessanter sind jedoch ohnehin nicht die konkreten Filesharing-Zahlen, sondern die nach der allgemeinen Mediennutzung.

Hier ergibt sich nämlich ein Bild, welches in der Tat die Realität gut abzubilden scheint. Man bedient sich aus zahlreichen Quellen, um Medieninhalte zu bekommen - privaten Kopien, Tauschbörsen, On- und Offlineshops - und die Grenze zwischen den verschiedenen Quellen verschwimmt in der Wahrnehmung der Jugendlichen zusehends. Es werde schwerer zu unterscheiden, ob man nun Promomaterial für umsonst bekommt, eine erlaubte Privatkopie anfertigt, copyrightgeschütztes oder -ungeschütztes Material lädt usw. - denn auch der Umgang mit den Medien wird immer kreativer. Erstaunlich ist dabei der Zuwachs bei den Blogs und persönlichen Webseiten, die inzwischen ein wichtiger Bestandteil des persönlichen Netzwerks der jungen User geworden sind - aber auch der gewachsene Anteil der Inhalte, welche entweder selbst generiert, kopiert, neu gemixt, verfremdet oder sonstwie aufbereitet von den Jugendlichen wiederum im Netz verbreitet wird. Ein Bild zeichnet sich ab von einem sehr selbstbestimmten Umgang mit Inhalten, die man nehmen und bearbeiten kann: die Grenze zwischen Mediengebrauch und Medienerstellung verschwimmt zunehmend, ebenso jener zwischen Netznutzung und Netzgestaltung.

Insgesamt ergibt sich das Bild einer heranwachsenden Generation, die es gewohnt ist, Medien nutzen, bearbeiten und weiterverbreiten zu können: das reine Konsumieren scheint bei der künftigen Kundenschar der großen Medienproduzenten nicht mehr der Regelfall zu sein. Auf diese Wünsche und Interessen sollten sich die Medienkonzerne einstellen: auch wenn sie gerade das Gegenteil tun. In wenigen Jahren wird die traditionell konsumfreudigste Generation aus eben diesen Jugendlichen bestehen, die sich daran gewohnt haben, Medien nicht nur zu konsumieren, sondern auch zu bearbeiten, zu remixen und in andere und neue Kontexte zu setzen. Und an diese zukünftige Kundenschicht sind die DRM-verkrüppelten Angebote der Webshops mit Sicherheit noch nicht angepasst.

News Redaktion am Freitag, 04.11.2005 17:19 Uhr

tagsTags: filesharing medien studie jugendliche medienkonsum blog

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