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09. August 2005

Die Zukunft des Fernsehens Peer2Peer oder Untergang

Fernsehsender öffnen sich den Tauschbörsen

Die TV-Sender werden in den Tauschbörsen sein oder nicht mehr sein, das ist unter anderem eine der Thesen, die auch Lascia in seinem Buch Darknet vertritt - und die Realität holt ihn schneller ein, als man es erwartet hätte.

Der KQED Public Broadcasting-Sender in San Francisco ist seit Monaten dabei, Inhalte ins kürzlich von den Netscape-Pionieren Mike Homer und Marc Andreessen entwickelten Open Media Network einzustellen, in dem sie mittels Peer2peer-Technologie verteilt werden. KQED habe länger schon mit Video- und Audioangeboten auf Webseiten experimentiert, KQED-Präsident und Tauschbörsenfan Jeff Clarke betrachtet die Filesharing-Technologie als kostenkünstigere Distributionsmöglichkeit für ihr TV-Programm im Netz, so c|net.

"Öffentliche Sender hatte immer mit Bürgerschaft zu tun und dem allgemeinem Zugang zu dem, was wir produzieren. Das hier ist einfach Technik des 21. Jahrhunderts, um dies zu erreichen", so Clarke. Ein enormes Demokratisierungspotential läge in diesen Bereichen: neben aus öffentlichen Mitteln produzierten Sendungen würden auch Eigenproduktionen von entsprechend aktiven Bürgern nur den berühmten Mausklick entfernt liegen. Die Spaltung zwischen Medienmachern und Medienrezipienten wird so zunehmend aufgehoben.

KQEDs Kooperation mit OMN ist dabei kein Einzelfall - einige Graswurzelmedienportale haben inzwischen gewichtige Mitstreiter bekommen. Das Participatory Culture - Portal der Medienaktivisten von Downhillbattle bietet zwar vor allem noch unabhängige Medieninhalte und Videoblogs an, konnte jedoch auch schon einem Kontrakt zum Contentvertrieb mit Channel.tv aushandeln. Der Kabelkanal wurde vom ehemaligen US-Vizepräsidenten Al Gore gegründet. Mark Cuban, häufig mit unorthodoxen Ideen und einer Liebhaberei für Tauschbörsen auffallender Medienmilliardär beginnt momentan, Inhalte seines Kabelnetzes HDNet per Netz zu verbreiten - in HDTV-Qualität, per Filesharingtechnik.

Mike Homer von OMN sagt analog zu Lascia voraus, dass die Wahrnehmung von eigenständigen Fernsehsendern in Zukunft verschwinden wird. Die Möglichkeiten des Vertriebs von Filmen im Netz würden den zukünftigen TV-Konsum beliebig personalisierbar machen. Statt Spartenkanälen mit Zielgruppen und Einschaltquoten werden die Konsumenten von morgen ihr individuelles Programm auf Abruf zusammenstellen - der Content kommt dann per Tauschbörsentechnik ins Haus. Anstelle der Programm- und Sendeplanung der Kanäle wird ein Bewertungs- und Kategorisierungssystem treten, welches die Konsumenten (und Mit-Produzenten) selbst organisieren.

Ähnliche Schritte in die Tauschbörsenwelt hat bereits auch die BBC unternommen - in einem vielbeachteten Prozess ist die britische Sendeanstalt gerade dabei, ihre Archive zu öffnen sowie ihr TV-Programm auch per Tauschbörse zu verbreiten.

Nicht nur Mike Homer glaubt demnach fest an die TV-Zukunft in der Tauschbörse, er nennt das Kind jedoch klar beim Namen. "Wenn du heute in einem Mediaplayer auf etwas klickst, wird zehn Jahre alte Technologie verwendet. Das sollte Peer2Peer sein". Bislang hörte man solche Sätze allenfalls von Medienaktivisten und Medientheoretikern. Dass Betreiber von TV-Sendern inzwischen dieselben Ansichten vertreten, läßt einige Umwälzungen im Mediensektor erwarten.

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